FOP e.V.

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Bericht über den Lauf eines Iron-Man Rennens

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Im Sommer 2013 lief der Vater einer jungen Dame mit FOP zu Gunsten des FOP e.V. und der IFOPA seinen ersten Iron-Man.

Hier ist sein Bericht:

Irgendwie war es dann tatsächlich soweit. Nach nicht unbedingt optimalem Training seit 1. November 2012 (mit 7,5 Wochen Trainingsausfall wegen Krankheit), auch viel zuuuuugeringer Außentemperatur, deutlichen Abstrichen in der Freizeit, fast vollkommener Alkoholabstinenz, Schichtdienst, etwas gesünderer Ernährung,

viel aufmunterndes von meinen Lieben, der Glaube an die Heilung bzw. mindestens
an den Durchbruch für ein bahnbrechendes Medikament gegen die Krankheit Fop
von Vivi und vielen anderen Betroffenen...... holte ich mein gesamtes Ironman-Start-Equipment am Donnerstag vorher ab und alles erscheint noch so unwirklich. Alles wie im anderen Film.
Mit dem grünen Athletenband passend von dem der ifopa.org wurde ich ständig daran erinnert und die Aufregung war von nun ab(jajaja vorher auch schon) mein ständiger Begleiter. DiePastaparty am Freitag war auch sehr beeindruckend.....all diese Bekloppten.... ja da war ich dann genau richtig aufgehoben..., so viel Leute die mich Verstehen ;-)
Meine leichte Erkältung (wollte ich wohl lange nichwahrhaben) war pünktlich beim letzten Radwarmup kurz vor dem Bikecheckin am Samstag weg und ich fühlte mich doch recht gut. Danke noch mal an Natscha Schmitt für den Tip mit ImmunBiest, habe relativ kurz vor dem Wettkampf händeringend nach ner Lösung gesucht und glücklicherweise damit eine gefunden.
Nach einer schlaflosen 150Puls-Nacht klingelte Sonntag um 3:15 früh der Wecker..... Draussen war es doch tatsächlich dunkel....sehr aussergewöhnlich fur die Jahreszeit *lach
Frühstück, Kaffee, restl. Sachen einpacken und ab gings zum See nach Langen.....und da waren sie wieder alle.....diese Bekloppten hahaha. Rad fertig machen, aufwärmen(noch nicht im Wasser) und im Nu war mein so toll ausgetüfteltes Zeitmanagement dahin.... die Pros starten und ich hab den Neonoch nich mal richtig an.....
womit ich auch garnicht gerechnet habe .....2500 rote Badekappen sind auch noch im Wasser ..... also war so richtig Einschwimmen auch nicht :-( da war einfach kein Platz(sehr komisch) damit hatte ich garnicht gerechnet. ;-/ also mir war das wirklich nicht so richtig bewußt, dass einfach kein Platz zum Einschwimmen da ist. :-(
Also musste es auch so gehen... war noch halb im Wasser stehend in zweiter Reihe ganz links in optimaler Startposition(2. Reihe) .... vor allem für "Zuspätkommer" wie mich. Also war ich froh und wartet auf den Startschuss. Der kam und alles bewegte sich. Die ersten 25Meter waren oke, aber dann.... mein Puls ging gefühlt auf 200 und die Atmung war keine..... es war ein Disaster.... mit kurzen Gedanken ans Aufgeben drehte ich mich auf den Rücken und mir ging nur durch den Kopf: "wenn ich jetzt aufgebe...wie soll ich das meinen lieben, die auch so viel Abstriche machen mussten, erklären" und an Dieter Dahmes Worte: "Aufgeben ist keine Option und bleib NIEMALS stehn".
Also bewegte ich mich bis zur zweiten Boje im Rückenaltdeutschstil und kontrollierte nach und nach meine Atmung und damit auch meinen Puls. Klar....in der Zeit zog alles was ich als vermeintlich mittelmäßiger Schwimmer als "Treibholz" und "Sperrgut" bezeichnete an mir vorbei :-( Irgendwann drehte ich mich wieder und versuchte mich irgendwie an meinen Kraulstil zu erinnnern. So nach und nach wurde es besser, aber nich so wie ich es von mir erwarte... egal auf der zweiten Runde hab ich dann "Holz" gesammelt und war schockiert welche Schwimmstile(incl. dem was ich an den Tag gelegt hab) es so gibt. Den Hampelmann zb kannte ich auch noch nicht..... egal.... mit Verspätung konnte ich dann trotzdem relativ entspannt die Massenschlägerei verlassen und war logischerweise von mir oberhammergrottenmegasaumäßig enttäuscht..... soviel geschwommen, auch im See+Swimnights und alles wunderbar, aber im Rennen konnte ich das wieder einmal komplett überhauptgarnicht umsetzen..... im Ziel wird ja die Zeit genommen dachte ich mir......also weiter..... stinksauer in die Wechselzone 1 und die ziiiiiiieeeeeeeehhhhht sich wieKaaauuuugummi, die Wege sind lang, aber umgezogen oder gar Socken angezogen hab ich ehh nicht.... kurz was wegstellen und hopp aufs Rad.... das lief ausgeprochen gut nur am Ende der ersten Runde schmerzte leicht mein rechtes Knie und weils so is....war das nur der Anfang..... die erste Gefühlsduselei kam auch schon..... immer mit Gedanken an meine Lieben..... dann wieder die Realität...., denn ich musste langsam aufs Klo..... bis dahin hatte ich 34,6 km/h(lt. meinerGarmin) hingelegt und war sehr zuversichtlich das in etwa zu halten....., aber der zweite Durchlauf in Maintal übers Kopfsteinpflaster war viel heftiger.....als wenn die dort die Steine nochmal mehr ausgefahren hätten.... krass denn dieVibraition waren alles andere als eine Massage für die Muskeln ;-( ....auch der zweite Hühnerberg war gefühlt härter .... und mich Antibergziege haben wieder einige kassiert :-(
Noch dazu wurde es wärmer und deutlich windiger in Richtung Friedberg was meinen Schnitt drückte...... auf diesem Stück hat mich auch kaum wer überholt..... also hat der Wind wohl allen nicht gefallen ;-).

Richtung Frankfurt gings wieder mehr hinunter und ich konnte meinen Schnitt wieder etwas verbessern...... Meine Blase hatte ich irgendwie im Griff... hatte etwas weniger getrunken und an Schmerzen kann man sich ja auch gewöhnen... dachte ich....dafür schmerzen beim Sitzen und der Lendenwirbelbereich meldete sich auch langsam....allesLapalien..... und schon trötete wieder ein Kampfrichter ....die wollten, dass wir ständig alle rechts fahren...das war nervig,weils keiner verstanden hat.... hätten das alle gemacht, wären wir immer wieder Windschatten gefahren und alle fanden das wäre das viel schlimmere Vergehen als das blöde Rechtsfahrgebot ;-) war halt was los auf der Straße ;-) so kurz vorm Ende der zweiten Runde ;-) Also kopfschüttelnd weiter...... Bad Vilbel war nochmal heftig, aber die hammerStimmung hat uns echt nach oben getragen..., nochmal vorbei an der Eintrachtverpflegung(Top) ....hatte bis dahin ca. alle 20 Min ein Powergel aufgesaugt und bei jeder Verpflegung nenStück Banane reingeschoben damit es nicht zu sehr schwimmt im Bauch...und weiter...an dieser Stelle will ich Felix Lorz für die Tips für die richtige Wettkampfernährung und die vielen anderen kleinen aber wichtigen Tips danken, die mir so viele Fehler erspart haben ;-) und weiter hinab zur Hitzeschlacht an den Main. Auf der Abfahrt Rücken strecken, dann Rad abgeben und Ostern is back.... wo issser denn der Beutel? also ne gefühlte Minute das Ding gesucht und rein in die Schuh, Cap auf, Sonnenbrille und los.....aufs DIXIIIIII.....jeah.....danach lief es auch auf der Strecke erstmal ganz gut.....Felix zog schon gleich an mir vorbei(seine 2. Runde) ......auch mein rechtes Knie fand das Laufen viel angenehmer und muckte nicht mehr.... dafür stolperte mein Herzschlag bei km 2 und meine Betriebssythem versuchte nenSysthemschnellcheck zu machen, also etwas Tempo raus ......, dann wars auch so schnell wieder weg wie es gekommen war... wieder Gefühlsduselig....warum ...keine Ahnung.....
Der sonnige Weg von der Uni bis kurz vor OF zog sichjeeedesmal wie kaugummi. Klar das die Versorgungsstellen in der Hitze gern durchlaufen werden um alles abzugreifen, über sich zu kippen und in sich reinzuschütten was dabei nur gegriffen werden kann....war ganz schön Gedrängel und der ein oder andere Becher wurde vor der Nase weggeschnappt.... aber alle hatten die gleichen Bedingungen ....danach gleich wieder im Laufschritt.
Runde eins und zwei waren soweit recht gut....auch dank der ganzen vielen Supporter der Eintracht überall an der Laufstrecke und auch der lautstärksten Ecke von derHardseemafia mit Maximalaufgebot .... klasse....
Anfang der dritten und vierten Runde gabs zusätzlich ne Salztablette... die Powergels wurden einfach immer ekliger....da musste es auch schon mal wieder ne Banane sein.
Die dritte Runde hatte es in sich.... Dieter Damen sollte auch hier recht behalten.... viel Kopfarbeit...viel Gefühlsdusel, dann kam noch mein Hass auf die Krankheit FOP hinzu.... und mein Kopf hatte es im Griff...die Muskelschmerzen sind halt einfach nicht echt, ausserdem mag ich keine Wege umsonst machen...hier auch nicht.....aufgeben war ja ehh keine Option..... wie hätte ich es dann auch noch meinen liebsten erklären sollen?
Auf dem Weg zum vierten Rundenband machten sich wieder Knieschmerzen rechts breit.... im direkten Seitenvergleich hatte das linke Knie genau das gleiche Problem, also wars halt so....Soforttherapie: weiter..... und mit Gedanken an meine Töchter, meine Freundin, ans Finishen, völlig unnötige Krankheiten, gute Freunde, Hawai(also die erste Übertragung die ich 1996 oder so live im TV gesehen habe)...das TeamHoyed(ihr wisst..der Vater der seinen beeinträchtigten Sohn zum Ironman mit nimmt).... also ok hab einfach an alles gedacht ....irgendwie.... hatte ich auch schon das vierte Rundenband am Arm..... jetzt waren es nur noch 2km, die ich komplett mit Tränen in den Augen gelaufen bin.... und auch wenn Johannes Pump mir kurzerhand schauspielerische Fähigkeiten unterstellt.. ... hahhaha .... also schön wenn es noch so locker aussah ;-) ..... es war hart....richtig scheissehart....denke mal ich war allerhöchstens auf das Ziel fixiert......ach weis auch nicht.....trotzdem toll, dass ihr alle da gewesen seid und eure Rufe und (teilweise wirklich unehrlichen) Sprüche waren wichtig und richtig gut... ;-) ("du siehst gut aus!" hahahaha)
Die letzte Brücke rüber (immer schön hurtig, also nix schlendern) und dann kam er näher der Weg zum Römer....eingebogen ....alle abklatschend ...heulend..... dann der Ruf: "Dirk hiiiiiieeeer" das waren Diana und Lev(danke euch auch für alles und den super support), so konnte ich auf dem roten Teppich auf halben Weg zum Finish noch, die für mich wichtigste
Videobotschaft an meine liebsten machen....sehr emotional....glaub das reicht als Info.....danach weiter ins Ziel auf dem Weg noch Arbeitskollegin abgeklatscht ....
und dann hatte ich nicht mit dieser Zeit gerechnet die da stand....11:27:irgendwas...(hatte 11:50/11:55 im kopf)....war aber ohnehin Nebensache.. ....noch ein kleiner vermurxterSprung durchs Tor.... und sprachlos.... einer von den Organisatoren fragte mich ob alles oke sei.... wenn ichs jetzt noch richtig wiedergeben kann....sagte ich nur, dass es nur unglaublich schön wäre wenn meine Allerliebsten jetzt hier sein könnten......kurz Stille...... eine Medallie.....Handtuch..... Gratulation......... gleich noch das euch bekannte Bild gemacht und ab in die Regeneration.... ;-)

Die Tage danach waren für mich ein wechselspiel meiner Gefühle, meines leicht erholungsbedürftigen Körpers und dem Phänomen "Ironman".

Ich habe nun zwar einen (ersten schönen und sehr emotionalen) Ironman gemacht....bin aber keiner im Verhältnis zu meiner Tochter. Sie trägt etwas in sich, dass bisher nicht kontrollierbar ist. Trotzdem meistert sie mit ihren sieben Lebensjahren, Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte (anfänglich mit Operationen), Medikamenteeinahmen mit Nebenwirkungen, ständige Blutentnahmen, manchmal wirklich ungerechte..... verständnislose....Situationen....auch leider Ausgrenzungen und Bemerkungen von unwissenden.....vorurteilenden (Mit)Menschen an denen so mancher Erwachsener zerbrechen würde.......!!!

Sie ist mein Ironman....immer .....und nicht nur an einem Tag. Meine Vivi ;-)@

 


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